Nasse Lederschuhe richtig trocknen – So schützen Sie Leder und Form
Ein kräftiger Regenschauer, nasse Straßen oder überraschender Schneefall – selbst gut imprägnierte Lederschuhe können einmal richtig nass werden. Das ist zunächst kein Grund zur Sorge. Hochwertiges Leder verträgt Feuchtigkeit, wenn anschließend richtig damit umgegangen wird.
Entscheidend ist vor allem, dem Leder genügend Zeit zu geben und auf starke Wärme zu verzichten. Wer versucht, nasse Schuhe möglichst schnell auf der Heizung oder mit einem Föhn zu trocknen, kann dem Material mehr schaden als die eigentliche Nässe.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie nasse Lederschuhe schonend trocknen und anschließend richtig pflegen.
Warum sollte Leder langsam trocknen?
Leder ist ein Naturmaterial und kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben.
Wird ein nasser Lederschuh sehr schnell durch starke Hitze getrocknet, verliert das Material nicht nur die aufgenommene Feuchtigkeit. Auch die für die Geschmeidigkeit wichtigen Bestandteile des Leders können beeinträchtigt werden.
Die Folge kann sein, dass das Leder:
hart oder spröde wird,
an Geschmeidigkeit verliert,
stärkere Falten entwickelt,
seine Form verändert,
oder im ungünstigsten Fall feine Risse entstehen.
Deshalb gilt bei nassen Lederschuhen vor allem:
Zeit ist die beste Hilfe.
Schritt 1 – Groben Schmutz entfernen
Bevor die Schuhe trocknen, sollten grobe Verschmutzungen möglichst vorsichtig entfernt werden.
Schlamm, Straßenschmutz und insbesondere Rückstände von Streusalz sollten nicht über viele Stunden auf dem nassen Leder verbleiben.
Bei Glattleder können Sie die Oberfläche vorsichtig mit einem weichen, leicht angefeuchteten Tuch reinigen.
Bei Velours- oder Nubukleder empfiehlt es sich, gröberen Schmutz zunächst antrocknen zu lassen und anschließend vorsichtig mit einer geeigneten Raulederbürste zu entfernen.
Vermeiden Sie starkes Reiben auf dem nassen Material.
Schritt 2 – Schnürsenkel öffnen
Öffnen Sie die Schnürung möglichst weit oder nehmen Sie die Schnürsenkel vollständig heraus.
Dadurch kann die Luft besser im Inneren des Schuhs zirkulieren und Feuchtigkeit leichter entweichen.
Bei herausnehmbaren Einlegesohlen können auch diese separat zum Trocknen aus dem Schuh genommen werden.
Schritt 3 – Feuchtigkeit im Schuh aufnehmen
Sind die Schuhe auch im Inneren deutlich nass, kann saugfähiges, möglichst unbedrucktes Papier helfen.
Füllen Sie den Schuh locker aus, ohne ihn dabei unter Spannung zu setzen.
Das Papier nimmt einen Teil der Feuchtigkeit auf und unterstützt gleichzeitig dabei, die Form des Schuhs während des Trocknens zu erhalten.
Ist das Papier stark durchfeuchtet, sollte es ausgetauscht werden.
Verwenden Sie möglichst kein stark bedrucktes Zeitungspapier, da Druckfarbe auf ein helles Innenfutter oder Leder übertragen werden kann.
Schritt 4 – Bei Zimmertemperatur trocknen lassen
Stellen Sie die Schuhe an einen trockenen, gut belüfteten Ort und lassen Sie sie dort langsam trocknen.
Je nachdem, wie stark die Schuhe durchnässt sind, kann dieser Vorgang deutlich länger als einige Stunden dauern.
Geduld zahlt sich hier aus.
Die Schuhe sollten vollständig trocken sein, bevor Pflegeprodukte aufgetragen oder sie erneut getragen werden.
Nasse Lederschuhe niemals auf die Heizung stellen
Das ist einer der wichtigsten Punkte bei der Pflege hochwertiger Lederschuhe.
Auch wenn es verlockend ist, nasse Schuhe auf oder unmittelbar vor einen Heizkörper zu stellen, sollte starke direkte Wärme unbedingt vermieden werden.
Verzichten Sie auch auf:
Föhn,
Heizlüfter,
Kamin,
direkte intensive Sonneneinstrahlung,
andere starke Wärmequellen.
Zu schnelles Trocknen kann das Leder unnötig austrocknen und auch Verklebungen sowie andere Bestandteile des Schuhs beanspruchen.
Wann sollte ein Schuhspanner eingesetzt werden?
Schuhspanner können helfen, die Form hochwertiger Lederschuhe zu erhalten. Bei vollständig durchnässten Schuhen sollte jedoch zunächst ein großer Teil der Feuchtigkeit entweichen können.
Ist der Schuh nur noch leicht feucht, kann ein passender Schuhspanner eingesetzt werden.
Besonders Schuhspanner aus unbehandeltem Holz sind praktisch, da sie zusätzlich Feuchtigkeit aufnehmen können.
Wichtig ist, dass der Schuhspanner zur Größe des Schuhs passt und das Leder nicht unnötig unter Spannung setzt.
Schritt 5 – Glattleder nach dem Trocknen pflegen
Nach einer stärkeren Durchnässung kann sich Glattleder trockener oder etwas fester anfühlen als zuvor.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine geeignete Lederpflege.
Entfernen Sie zunächst eventuell verbliebene Verschmutzungen. Anschließend kann eine zum Leder passende Pflege sparsam und gleichmäßig aufgetragen werden.
Sie hilft dabei, das Leder wieder geschmeidig zu halten und seine gepflegte Optik zu erhalten.
Nach dem Einziehen kann Glattleder mit einer weichen Bürste oder einem geeigneten Tuch poliert werden.
Schritt 6 – Veloursleder und Nubuk nach dem Trocknen behandeln
Velours- und Nubukleder können nach dem Trocknen zunächst etwas anders aussehen als vorher. Die feinen Fasern der Oberfläche können beispielsweise flach anliegen.
Lassen Sie das Leder zunächst vollständig trocknen.
Anschließend können Sie die Oberfläche vorsichtig mit einer geeigneten Raulederbürste aufbürsten. Dadurch erhält das Material seine charakteristische samtige Struktur zurück.
Verwenden Sie bei Rauleder keine klassische Schuhcreme oder Lederfette, da diese die Oberfläche verändern können.
Schritt 7 – Imprägnierschutz erneuern
Nachdem die Schuhe vollständig getrocknet, gereinigt und gegebenenfalls gepflegt wurden, sollte der Schutz vor erneuter Feuchtigkeit überprüft beziehungsweise aufgefrischt werden.
Für viele Lederarten, Rauleder und Leder-Textil-Kombinationen verwenden wir gerne Collonil Carbon Pro.
Eine gute Imprägnierung macht Schuhe nicht vollständig wasserdicht. Sie hilft jedoch dabei, das Obermaterial vor Feuchtigkeit und alltäglichen Verschmutzungen zu schützen.
Beachten Sie bei der Anwendung immer die Hinweise des Herstellers und verwenden Sie Imprägniersprays in einem gut belüfteten Bereich beziehungsweise im Freien.
Was tun bei Salzrändern?
Gerade im Winter kann Feuchtigkeit zusammen mit Streusalz sichtbare helle Ränder auf Lederschuhen hinterlassen.
Diese sollten möglichst früh behandelt werden.
Bei Glattleder können leichte Rückstände vorsichtig mit einem weichen, leicht angefeuchteten Tuch entfernt werden. Anschließend die Schuhe langsam trocknen lassen und das Leder bei Bedarf erneut pflegen.
Bei empfindlichem Velours- oder Nubukleder sollte mit geeigneten Produkten und besonders vorsichtig gearbeitet werden.
Darf ich nasse Lederschuhe sofort wieder tragen?
Davon würden wir abraten.
Auch wenn sich ein Schuh außen bereits trocken anfühlt, kann sich im Leder, Futter oder Fußbett noch Feuchtigkeit befinden.
Wird der Schuh zu früh wieder getragen, hat das Material keine ausreichende Möglichkeit zur Regeneration.
Gerade bei häufig getragenen hochwertigen Schuhen empfehlen wir deshalb, zwischen verschiedenen Paaren zu wechseln.
So kann jedes Paar vollständig trocknen und sich nach dem Tragen erholen.
Wie lange brauchen Lederschuhe zum Trocknen?
Eine allgemeingültige Zeit lässt sich nicht nennen.
Die Trocknungsdauer hängt unter anderem davon ab,
wie stark die Schuhe durchnässt sind,
wie dick das Leder ist,
welches Innenfutter verwendet wurde,
welche Sohlenkonstruktion der Schuh besitzt,
und wie gut die Luft am Aufbewahrungsort zirkuliert.
Ein nur leicht feuchter Schuh kann vergleichsweise schnell trocknen. Ein vollständig durchnässter Lederschuh benötigt dagegen durchaus einen Tag oder länger.
Orientieren Sie sich deshalb nicht an einer bestimmten Stundenzahl, sondern daran, ob der Schuh tatsächlich vollständig trocken ist.
Häufige Fehler beim Trocknen von Lederschuhen
Vermeiden Sie möglichst:
nasse Lederschuhe auf die Heizung zu stellen,
einen Föhn oder Heizlüfter zu verwenden,
die Schuhe in intensiver Sonne zu trocknen,
stark bedrucktes Zeitungspapier bei hellem Innenfutter zu verwenden,
nasse Schuhe sofort in einen geschlossenen Schuhschrank zu stellen,
Pflegeprodukte auf vollständig nasses Leder aufzutragen,
die Schuhe erneut zu tragen, obwohl sie innen noch feucht sind.
Die schonendste Methode ist gleichzeitig die einfachste: Feuchtigkeit aufnehmen und dem Schuh ausreichend Zeit zum Trocknen geben.
Unsere Empfehlung aus der Praxis
Wenn hochwertige Lederschuhe einmal richtig nass geworden sind, besteht kein Grund zur Panik.
Entfernen Sie Verschmutzungen, öffnen Sie den Schuh weit und nehmen Sie überschüssige Feuchtigkeit mit saugfähigem Papier auf. Anschließend lassen Sie die Schuhe langsam und ohne direkte Wärme trocknen.
Erst wenn das Leder vollständig trocken ist, folgt die weitere Pflege.
Bei Glattleder empfehlen wir anschließend eine geeignete Lederpflege. Bei Velours- und Nubukleder wird die Oberfläche mit einer passenden Bürste wieder aufgerichtet.
Zum Abschluss kann der Imprägnierschutz erneuert werden. Dafür verwenden wir bei vielen Schuhen Collonil Carbon Pro.
Damit ist der Schuh wieder gut auf den nächsten Einsatz vorbereitet.
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Fazit
Nasse Lederschuhe sind normalerweise kein Problem – falsches Trocknen dagegen schon.
Vermeiden Sie starke Wärme und geben Sie dem Leder ausreichend Zeit, seine Feuchtigkeit langsam abzugeben. Saugfähiges Papier, eine gute Luftzirkulation und etwas Geduld sind dabei meist die wichtigsten Hilfsmittel.
Nach dem vollständigen Trocknen sorgen die passende Lederpflege und eine erneute Imprägnierung dafür, dass das Material geschmeidig und geschützt bleibt.
So überstehen auch hochwertige Lederschuhe einen unerwarteten Regenschauer und können Ihnen noch lange Freude bereiten.